Evaluation des Schulversuchs „Lernförderliche Leistungsrückmeldung in der Grundschule“ (LLr)

Im Rahmen des Schulversuchs „Lernförderliche Leistungsrückmeldung in der Grundschule“ (LLr) soll durch den Verzicht auf Ziffernnoten bei gleichzeitig verstärkt genutzten lernförderlichen Leistungsrückmeldungen die schulische Entwicklung der Schülerinnen und Schüler gefördert werden.

Der Schulversuch LLr wird von 2022 bis 2026 an 35 Grundschulen und von 2023 bis 2026 an weiteren 8 Grundschulen in Baden-Württemberg durchgeführt. Weitere Informationen zur inhaltlichen Ausgestaltung des Schulversuchs finden Sie auf den Seiten des Kultusministeriums Baden-Württemberg.

Der Schulversuch LLr wurde im Rahmen einer unabhängigen Evaluationsstudie durch das Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) wissenschaftlich begleitet.

Zielsetzung und Fragestellungen

Ziel der Evaluation war es die empirische Überprüfung der Wirksamkeit des Schulversuchs hinsichtlich kognitiver (Leistung in den Fächern Deutsch und Mathematik) und nicht-kognitiver Variablen (Motivation, Selbstkonzept, Wohlbefinden) aufseiten der Schülerinnen und Schüler zu untersuchen. Des Weiteren sollte untersucht werden, welche Faktoren eine erfolgreiche Umsetzung des Schulversuchs unterstützen.

Da der Schulversuch LLr verschiedene Akteurinnen und Akteure des Bildungssystems betrifft, wurden im Rahmen der begleitenden Evaluationsstudie die Wahrnehmungen und Perspektiven aller am Schulversuch beteiligten Personengruppen erfasst. Hierzu gehörten neben den Schülerinnen und Schülern auch deren Lehrkräfte, Eltern bzw. Erziehungsberechtigte und Schulleitungen.

In der Evaluationsstudie wurden folgenden Hauptfragestellungen nachgegangen:

  • Wie entwickeln sich Leistung und Motivation von Schülerinnen und Schülern an den Modellschulen im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern an Schulen, die (noch) nicht am Schulversuch teilnehmen?
  • Was sind Erfolgsfaktoren und Herausforderungen bei der Implementation des Schulversuchs?
  • Kontakt

E-Mail an das LLr Team für Ihr Anliegen:
llr-evaluation@ibbw.kv.bwl.de

Dr. Juliane Rutsch
(derzeit in Elternzeit)

Ann-Kathrin Schnelle
0711 6642-4211

Dr. Evelin Ruth-Herbein
(derzeit in Elternzeit)

Methodisches Vorgehen

Die wissenschaftliche Begleitung der Schulen war auf drei Jahre angelegt, das vierte Jahr diente der Auswertung und der Berichtlegung.

Die wissenschaftliche Begleitung nahm die Schülerinnen und Schüler in den Blick, die im Schuljahr 2022/2023 die 2. Klasse besuchten. Diese wurden zusammen mit ihren Eltern, Lehrkräften und der Schulleitung insgesamt drei Jahre wissenschaftlich begleitet und wiederholt befragt.

Studiendesign

Um die oben formulierten Forschungsfragen zu bearbeiten, wurden verschiedene Gruppen von Schulen miteinander verglichen. Dabei wurde unterschieden zwischen Schulen, die zum Schuljahr 2022/2023 in den Schulversuch gestartet sind und Schulen, die den Schulversuch ab dem Schuljahr 2023/2024 umsetzen. Zusätzlich wurde eine Gruppe von Schulen miteinbezogen, die nicht am Schulversuch teilnimmt. Letztere bildeten die für eine Evaluation erforderlichen sogenannten Vergleichsgruppen. Es ergaben sich daher die folgenden Gruppen von Schulen:

  • Die Schulversuchsgruppe umfasst alle Schulen, die im Schuljahr 2022/2023 mit den Klassen 1 und 2 in den Schulversuch gestartet sind (Anzahl: 35 Schulen).
  • Die Vergleichsgruppe 1 umfasst die Schulen, die den Schulversuch ab dem Schuljahr 2023/2024 umsetzen (Anzahl: 8 Schulen); sog. Vergleichsgruppe 1a) sowie Schulen, die ursprünglich ein Interesse an der Durchführung des Schulversuchs hatten, dieses jedoch zurückgezogen haben (Anzahl: 6 Schulen, sog. Vergleichsgruppe 1b).
  • Die Vergleichsgruppe 2 umfasst zufällig ausgewählte Schulen, die nicht am Schulversuch teilnehmen (Anzahl: 26 Schulen). 
graphische Darstellung des Studiendesigns Evaluation LLr
Übersicht der Projektplanung

Zwischenberichte

Der erste Zwischenbericht wurde in der Publikationsreihe „Wissenschaft und Praxis“ (Band 3) veröffentlicht. Er stellt erste Evaluationsergebnisse zu Umsetzung und Effekten des Schulversuchs LLr vor. Für das erste Umsetzungsjahr zeigen sich keine statistisch bedeutsamen Unterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern an Modell- und Vergleichsschulen hinsichtlich Lesekompetenz, mathematischer Fähigkeiten, schulischem Wohlbefinden und Lernfreude. Die Schülerinnen und Schüler der Modellschulen berichten jedoch am Ende der 2. Klassenstufe von weniger Leistungsangst. Außerdem geben Lehrkräfte an Modellschulen an, häufiger lernförderliche Leistungsrückmeldungen zu nutzen als Lehrkräfte an den Vergleichsschulen.

Download: zu Band 3 der Publikationsreihe "Wissenschaft und Praxis" (pdf)

Der neu erschienene zweite Zwischenbericht knüpft als Band 7 der Publikationsreihe „Wissenschaft und Praxis“ an diese Ergebnisse an. Auch in Klassenstufe 3 unterscheiden sich die Schülerinnen und Schüler der Modell- und Vergleichsschulen nicht hinsichtlich ihrer Lesekompetenz, mathematischen Fähigkeiten, ihres schulischen Wohlbefindens und ihrer Lernfreude. Die Schülerinnen und Schüler der Modellschulen berichten jedoch über ein höheres Interesse an Mathematik. Zudem bewerten Lehrkräfte an den Modellschulen die Lernentwicklungsgespräche als nützlicher, und nach Einschätzung der Eltern werden dort häufiger lernförderliche Gestaltungselemente eingesetzt. Auch die Schulleitungen der Modellschulen bewerten die Nützlichkeit der Kompetenzrückmeldung zum Schulhalbjahr höher als Schulleitungen der Vergleichsschulen die Halbjahresinformation. Zudem bescheinigen sie dem Schulversuch eine gute Umsetzbarkeit und eine Verbesserung der Lehr-Lern-Qualität.

Neugierig geworden?

Download: zu Band 7 der Publikationsreihe „Wissenschaft und Praxis“ (pdf)

Abonnieren Sie unseren Newsletter!

So bleiben Sie auf dem Laufenden: Unser Projektnewsletter informiert Sie über die Zwischenberichte und den Abschlussbericht hinaus über weitere Veröffentlichung. Sie können sich ganz einfach anmelden. Schicken Sie uns eine E-Mail mit dem Stichwort „Newsletter“ an: llr-evaluation@ibbw.kv.bwl.de.

Eine Newsletter-Abmeldung können Sie jederzeit über eine Abmeldung per E-Mail an uns vornehmen.

Projektbeteiligte

Der Schulversuch LLr wird durch eine Arbeitsgruppe am IBBW unabhängig evaluiert. Sie wird dabei durch Kooperationspartner der Universität Bonn (Prof. Dr. Nicolas Hübner) sowie der Pädagogischen Hochschule Freiburg (Prof. Dr. Torsten Eckermann) bei der Planung, Durchführung und Datenauswertung unterstützt. Herr Prof. Dr. Fauth wechselte im Projektzeitraum vom IBBW an die Pädagogische Hochschule Freiburg und ist in seiner neuen Funktion weiterhin beteiligt im Projekt LLr. 

Des Weiteren wurde ein externer wissenschaftlicher Beirat zur Evaluationsstudie des Schulversuchs LLr gegründet. In diesem sind Expertinnen und Experten auf dem Gebiet der (Grund-)Schulpädagogik und der Gestaltung von lernförderlichen Leistungsrückmeldungen tätig. Auch die Perspektive der Praxis wird durch vier Schulleitungen in diesem Gremium repräsentiert. 

Mitglieder des Beirates sind:

  • Prof. Dr. Oliver Dickhäuser (Universität Mannheim)
  • Prof. Dr. Eva-Kristina Franz (Universität Trier)
  • Prof. Dr. Silke Hertel (Universität Heidelberg)
  • Prof. Dr. Eckhard Klieme (DIPF Frankfurt)
  • Prof. Dr. Albrecht Wacker (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg)
  • Petra Himmelspach (Schulleitung Karoline-Kaspar-Schule Freiburg)
  • Matthias Wagner-Uhl (Schulleitung GMS Neuenstein)
  • Annette Krafft (Schulleitung GS Winkelwiese/Waldhäuser-Ost)
  • Claudia Kronschnabel (Schulleitung GS Schwarzach)