Feststellung des individuellen Lernstands von Schülerinnen und Schülern
Lernstand 7 ermittelt den Lernstand von Schülerinnen und Schülern in einzelnen eng umrissenen Basiskompetenzen der Fächer Deutsch und Mathematik. Die anhand wissenschaftlicher und theoretischer Erkenntnisse ausgewählten Kompetenzen der Bildungsstandards gelten als besonders relevant für das zukünftige Lernen.
Die Ergebnisse liefern den Lehrkräften früh in der Klassenstufe 7 fachlich differenzierte Informationen über den erreichten Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler in den untersuchten Kompetenzen. Sie bilden die Ausgangsbasis für Fördermaßnahmen. So können Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler gezielt im weiteren Kompetenzerwerb unterstützen.
Erfassung der Heterogenität der Lerngruppe
Die fachlich differenzierten Rückmeldungen zu den untersuchten Basiskompetenzen und die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in Gruppen mit ähnlichem Leistungsstand, ermöglichen passgenaue Unterrichtsangebote und gruppenorientierte Fördermaßnahmen.
Schul- und Unterrichtsentwicklung
Lernstandserhebungen sind Teil des Gesamtkonzepts der datengestützten Qualitätsentwicklung an Schulen. Mit den Ergebnissen von Lernstand 7 können Diskussionen und Reflexionen über Lernprozesse, Fördermaßnahmen und Unterrichtsmethoden zwischen einzelnen Lehrkräften und innerhalb der Fachlehrerteams stattfinden.
Die feinstrukturierte Modellierung der Basiskompetenzen und die differenziert beschriebenen kognitiven Anforderungen der Stufen verstärken den Blick auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern. Lehrkräfte und Fachlehrerteams erweitern ihre fachdidaktischen und diagnostischen Fähigkeiten, indem sie sich mit den Beschreibungen der Stufen auseinandersetzen.
Das Verfahren Lernstand 7 unterstützt somit die Schule bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, indem es die Daten über den Lernstand der Schülerinnen und Schüler bzw. der Klassen zur Verfügung stellt und somit eine fundierte Entscheidungsfindung ermöglicht.
Zuletzt geändert am 12.08.2026
Lernstand 7 ist ein förderdiagnostisches Verfahren auf zwei Ebenen:
Ebene I: Lernstandsanalyse (Diagnose)
Ebene II: Förderung auf Grundlage der Lernstandsanalyse
Lernstand 7 soll die Lehrkräfte darin unterstützen, den Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler in den untersuchten Kompetenzen zu diagnostizieren, um den entsprechenden Lernbedarf zu erkennen und eine Förderung einzuleiten.
Auf Ebene I wird mithilfe einer Lernstandsanalyse der derzeitige Lernstand der Schülerinnen und Schüler in prognostisch relevanten Basiskompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik ermittelt, d. h. in eng umrissenen Kompetenzbereichen, die im Anschluss an die Orientierungsstufe weiterhin bedeutsam sind. Die Auswahl der Kompetenzbereiche basiert auf den länderübergreifend verbindlichen Bildungsstandards für die Sekundarstufe I sowie den Bildungsplänen für Baden-Württemberg der Klassenstufen 5 und 6.
Im Fach Deutsch wird die Basiskompetenz „Lesen“ mit den beiden Testbereichen
„Lesegeschwindigkeit“ und „Leseverständnis“ erfasst. Diese Kompetenz ist eine Schlüsselqualifikation
für schulischen und beruflichen Erfolg sowie für die Teilhabe am gesellschaftlichen und kulturellen Leben (Artelt et al., 2007;
Kultusministerkonferenz, 2022). In den Bildungsplänen für das Fach Deutsch in Baden-Württemberg wird zudem darauf verwiesen,
dass Lesen nicht nur Wissen erweitert, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung (z. B. Empathiefähigkeit, Toleranz).
Mit dem Testbereich „Lesegeschwindigkeit“ wird das schnelle und genaue Lesen von Wörtern erfasst. Solange dieser Prozess
noch nicht automatisiert abläuft, kann er eine Hürde für das Leseverständnis darstellen. Als
„Leseverständnis“ wird in Lernstand 7 in Anlehnung an die Bildungspläne für Baden-Württemberg der
Klassenstufen 5/6 im Fach Deutsch die Fähigkeit verstanden, altersgemäße Texte zu verstehen und sie zunehmend in ihrem
Zusammenspiel von Form und Inhalt zu begreifen (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, 2024).
Im Fach Mathematik liegt der Fokus auf dem verständigen Umgang mit rationalen Zahlen und wird mit den drei
Testbereichen „Prozedurales Rechnen“, „Zahlverständnis“ und „Operationsverständnis“ erfasst.
Der sichere und verständige Umgang mit rationalen Zahlen wird für das Verständnis weiterer Bereiche der Schulmathematik, wie
der Algebra, der Gleichungslehre oder der Wahrscheinlichkeitsrechnung benötigt. Ebenso bildet er die Verstehensgrundlage für die
im Alltag relevanten Dezimalbrüche und Prozente (Padberg & Wartha, 2023).
Grundlage für die Entwicklung sind die Inhalte des Kompetenzbereichs „Zahl und Operation“ der KMK-Bildungsstandards und
die Beschreibungen in der Leitidee „Zahl - Variable - Operation“ der Bildungspläne Mathematik für
Baden-Württemberg der Klassenstufen 5/6. Gemäß den Bildungsplänen liegt der Fokus darauf, tragfähige
Grundvorstellungen zu diesen Zahlen zu entwickeln, inhaltliche Vorstellungen von Rechenoperationen aufzubauen und eine sichere
Rechenfertigkeit zu erlangen. Zudem sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, passende Zahlterme zu Sachsituationen
aufzustellen. (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, 2024).
Ausführliche Beschreibungen dieser Testbereiche, der Ergebnisinterpretation und dem Bezug zu den Förderhinweisen stehen zu Beginn des Schuljahres 2026/2027 für beide Fächer hier zum Download bereit.
Auf Ebene II werden über die Onlineplattform Lernstand+ im Anschluss an die Lernstandsanalyse Förderhinweise für Lehrkräfte bereitgestellt, die im Unterricht gezielt für den weiteren Aufbau von Kompetenzen genutzt werden können.
Detailliertere Informationen zu Ebene I und Ebene II von Lernstand 7 finden Sie weiter unten unter "Informationen zum Verfahren: Lernstandsanalyse (Ebene I) und Diagnosegeleitete Förderung (Ebene II)".
Zuletzt geändert am 12.08.2026
Konzeption der Lernstandsanalyse (Ebene I)
Die Lernstandsanalyse wird als standardisierter Test nach wissenschaftlichen Kriterien konzipiert. Als Grundlage dienen die Methoden der empirischen Sozialforschung. Die Rückmeldung der Ergebnisse aus der Lernstandsanalyse erfolgt anhand von Stufenmodellen, welche den Lernstand der Schülerinnen und Schüler in aufeinander aufbauenden Lernstandsstufen inhaltlich detailliert beschreiben.
Zur Konstruktion dieser Stufenmodelle wurde auf Basis fachdidaktisch-theoretischer Modelle zu zentralen Teilkompetenzen in den
Testbereichen ein umfangreicher Pool an Testaufgaben konzipiert. Mit Hilfe einer umfassenden Untersuchung (sog. Normierung) an einer
landesweit repräsentativen Stichprobe von Schülerinnen und Schülern wurden Rückschlüsse auf die kognitiven
Anforderungen der entwickelten Aufgaben gezogen. Dies bildet die Basis für die fachliche Beschreibung der Lernstandsstufen im
Austausch mit Expertinnen und Experten der Bereiche Teststatistik, Fachdidaktik und Wissenschaft. Die Tests bilden somit eine große
Bandbreite der Kompetenzausprägung eines Testbereichs ab.
Entwicklung und Pilotierung (Ebene I)
Für die Lernstandsanalyse wurde eine Vielzahl von Testaufgaben von erfahrenen Lehrkräften in Zusammenarbeit mit Teststatistikerinnen und Teststatistikern entwickelt. Vor dem flächendeckenden Einsatz wurden die Aufgaben in einer Pilotierung erprobt. Lernstand 7 wird zu Beginn des neuen Schuljahres durchgeführt, eine Pilotierung zum gleichen Zeitpunkt würde demzufolge mit dem Testeinsatz kollidieren. Die Aufgaben wurden daher am Ende der Klassenstufe 6 erprobt.
Ziel der Pilotierung ist, die neu entwickelten Aufgaben an einer repräsentativen Stichprobe von Schülerinnen und Schülern im Hinblick auf ihre Qualität zu untersuchen. Die Pilotierung der Aufgaben ist in mehrerlei Hinsicht von zentraler Bedeutung:
- Auswahl qualitativ hochwertiger Aufgaben auf der Basis teststatistischer Analysen
- Grundlage für die Erstellung von Lernstandsstufenmodellen
- Gewinnung von Daten und Informationen als Grundlage für die Erstellung von Ergebnisrückmeldunge
Damit nach der Durchführung von Lernstand 7 den Schulen möglichst zuverlässige Daten zurückgemeldet werden können, ist es wesentlich, dass die Pilotierungsschulen die Gesamtheit der baden-württembergischen Schulen adäquat repräsentieren. Aus diesem Grund werden die Pilotierungsschulen durch eine zufällige Stichprobenziehung ermittelt, anteilig zur jeweiligen Anzahl von Schulen in den vier Regierungspräsidiumsbezirken. Jede Aufgabe wird von mindestens 500 Schülerinnen und Schülern erprobt und somit ein angemessener Stichprobenumfang gewährleistet.
Die Analyse der Pilotierungsdaten erfolgt anhand von Modellen der probabilistischen Testtheorie. Für die anschließende Auswahl
der Aufgaben werden sowohl fachdidaktische als auch teststatistische Aspekte berücksichtigt.
Verfahrensschritte an der Schule (Ebene I)
Lernstand 7 wird zur Durchführung in den siebten Klassen an den öffentlich allgemein bildenden Schulen der Sekundarstufe I empfohlen. Die Deutsch- und Mathematiklehrkräfte der siebten Klassen entscheiden, ob ihre Klassen teilnehmen. Nimmt eine Klasse teil, müssen nicht automatisch alle siebten Klassen der Schule teilnehmen. Es besteht die Möglichkeit, nur in einem Fach und mit einzelnen Klassen teilzunehmen. Es ist dennoch empfehlenswert, die Teilnahme auf Schulebene (z. B. in einer Gesamtlehrer- oder Fachkonferenz) zu thematisieren. Eine formale Einbindung ist nicht erforderlich.
Lernstand 7 wird über das landeseigene Online-Portal Lernstandserhebungen durchgeführt. Dieses Portal ermöglicht den Schulen, ihre Klassen zu verwalten, die Test- und Begleitmaterialien herunterzuladen, die Testergebnisse der Schülerinnen und Schüler einzugeben sowie die Ergebnisrückmeldungen abzurufen. Die Schulen erhalten Anfang September ihren Zugang zu diesem Portal.
Die Lernstandserhebung wird in Form von schriftlichen Tests im Klassenverband durchgeführt. Nach dem Einsatz werden die von den
Schülerinnen und Schülern bearbeiteten Aufgaben durch die jeweilige Fachlehrkraft nach landesweit einheitlichen
Auswertungsmaßstäben korrigiert. Im Anschluss geben die Lehrkräfte die Testergebnisse in das geschützte Online-Portal
Lernstandserhebungen ein. Die Übermittlung der Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler an das IBBW erfolgt anonymisiert. Der
Datenschutz wird dabei gewährleistet. Nach der Dateneingabe können die Ergebnisrückmeldungen direkt im Online-Portal
abgerufen und für die diagnosegeleitete Förderung (Ebene II) genutzt werden.
Zuständigkeiten im Verfahren (Ebene I)
Lernstand 7 wird am Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) im Auftrag des Kultusministeriums entwickelt. Der Entwicklungsprozess erfolgt in Kooperation mit einer wissenschaftlichen Begleitung. Den Support für die Schulen übernimmt in allen Fragen der Durchführung das Service Center Schulverwaltung (SCS).
Zuletzt geändert am 12.08.2026
Bedeutung und Inhalte (Ebene II)
Mit dem Anspruch einer „Bildung, die allen gerecht wird“ formuliert das Ministerium für Kultus den nachfolgenden bildungspolitischen Leitgedanken für alle Schulen.
„Schülerinnen und Schüler haben unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse. Das baden-württembergische Schulsystem bietet deshalb für alle Kinder und Jugendlichen individuelle Fördermöglichkeiten. […][” (Link zur Seite des Kultusministeriums Baden-Württemberg, Stand 10.05.2024)
Das förderdiagnostische Verfahren Lernstand 7 bietet den Schulen Hilfestellung bei der Umsetzung dieser individuellen Förderung, indem auf Ebene II Förderhinweise bereitgestellt werden, die Lehrkräfte im Unterricht gezielt für den weiteren Kompetenzerwerb der Schülerinnen und Schüler nutzen können.
Die Hinweise zur Förderung knüpfen an die Lernstandsanalyse (siehe Ebene I) an, die in den
Ergebnisrückmeldungen beschrieben sind.
Konzept der diagnosegeleiteten Förderung und Einsatz an der Schule (Ebene II)
Für eine gezielte diagnosegeleitete Förderung ist eine fundierte Kenntnis der überprüften Testbereiche bei Lernstand 7 erforderlich. Daher stehen für jedes Fach konzeptionelle Erläuterungen zur Verfügung, welche die inhaltliche Klammer zwischen der Lernstandsanalyse, den Ergebnisrückmeldungen und der anschließenden Förderung bilden (siehe Inhalte). Neben den ausführlichen Beschreibungen der Testbereiche werden auch die Stufenmodelle mit den inhaltlich aufeinander aufbauenden Anforderungen der Lernstandsstufen erläutert.
Für eine gezielte Weiterarbeit mit Lernstand 7 im Unterricht stehen für jedes Fach Förderhinweise und -materialien über die Onlineplattform Lernstand+ zur Verfügung. Dort erhalten Lehrkräfte ausgehend von den Ergebnisrückmeldungen eine onlinebasierte Übersicht über die Verteilung ihrer Schülerinnen und Schüler auf die entsprechenden Lernstandsstufen. Gekoppelt an diese Übersicht stehen bei Lernstand+ für jede Lernstandsstufe passgenaue Hinweise und Materialien zur Förderung der Schülerinnen und Schüler bereit. Diese sind optional einsetzbar. Empfohlen wird eine zeitnahe Förderung im Anschluss an die Auswertung der Ergebnisrückmeldungen.
Die Hinweise für die diagnosegeleitete Förderung werden in enger Abstimmung mit einer wissenschaftlichen Begleitung erstellt.
Weitere Informationen zur Weiterentwicklung des Unterrichts und datengestützten Förderung der Schülerinnen und
Schüler mit Lernstand+ sowie ein Erklärvideo finden Sie unter: www.lernstandplus-bw.de.
Zuletzt geändert am 12.08.2026