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18.04.2023

Selbstreguliertes Lernen - Wie PASST! das zur Schule der Zukunft?

Prof. Dr. Ferdinand Stebner, Universität Osnabrück

Vortrag Selbstreguliertes Lernen - Wie PASST! das zur Schule der Zukunft? (8,1 MB)

Nutzungsrechte aller Materialien gemäß CC BY-NC-ND 4.0

Kurzbericht

Gleich zu Beginn seines Vortrags griff Prof. Stebner die Titelfrage des Vortrags auf, indem er deutlich machte, dass selbstreguliertes Lernen (SRL) dabei helfe, die Schülerinnen und Schüler auf eine zwar ungewisse, in jedem Fall aber hochkomplexe Zukunft vorzubereiten. Ein durch das bestehende System mitverursachtes und durch die Corona-Pandemie verstärktes Ohnmachtsgefühl, sowohl auf Seiten der Schülerinnen und Schüler als auch auf Seiten der Lehrkräfte, könne durch eine Orientierung an den Bedürfnissen aller Beteiligten vermieden werden. Die Wahrnehmung dieser Bedürfnisse gehe mit der Fähigkeit zur Selbstregulation Hand in Hand. Er betonte aber auch, dass das SRL nicht isoliert umgesetzt werden sollte, sondern Teil der Schulentwicklung bzw. vielmehr eines Paradigmenwechsels in Schule sein sollte. 

Prof. Stebner nannte zahlreiche weitere Gründe, die für das Training des SRL sprächen. SRL definiert er als die Kompetenz, sich selbst Ziele zu setzen (sowohl inhaltliche als auch prozessuale), selbstständig Lernstrategien auszuwählen und anzuwenden, sich selbst zu beobachten, zu bewerten und zu reflektieren und dabei sowohl externe Rahmenbedingungen als auch interne Ressourcen im Blick zu haben. Er stellte Lernstrategien und deren Kategorisierung vor. Dabei problematisierte er die fehlende Passung zwischen dem Ziel standardisierter Leistungsmessung und dem Bedarf nach individueller Förderung und somit individuellen Lernprozessen. Er forderte daher die Möglichkeit, neben der Nutzung im Unterricht Elemente des SLR auch im Kontext der Leistungsmessung anzuwenden. Da SRL eine metakognitive Ebene fördere, auf der das Bewusstsein für das, was wir machen, gestärkt werde, biete es sich an, formative Leistungsmessung mit SRL zu verknüpfen. 

Für den Erfolg des selbstregulierten Lernens, so Stebner, sei es ausschlaggebend, direkte und indirekte Förderung zu kombinieren. Zwar könnten Trainings („Lernen lernen“) die Grundsteine legen, der Unterricht in den Fächern müsse allerdings die erlernten Strategien immer wieder aufgreifen und so für die Schülerinnen und Schüler Ankerpunkte für den Transfer des Erlernten bieten. Studien zeigen, dass langfristige Erfolge nur durch längerfristige Förderung erreicht werde. SRL, so Prof. Stebner, sei die nachhaltigste Form der individuellen Förderung und daher unmittelbar mit adaptivem Unterricht verknüpft, welcher eben diese individuelle Förderung zum Ziel habe. Im Idealfall müssten SRL-Trainings selbst adaptiv sein, wozu es aktuell allerdings noch Forschung benötige.

Abschließend rundete der Referent seinen Impuls mit einer Analogie der Schulentwicklung als Airbus A380 ab, die die Wertschätzung für Lehrkräfte ob der Größe ihrer Aufgabe zum Ausdruck brachte: Schulentwicklung für die Zukunft sei, als ob man ein Flugzeug im Flug und ohne Absturz, angetrieben durch PISA und zentrale Prüfungen wie das Abitur, zu einem Schiff umbauen wolle - während einige mutige (Lehrkräfte) bereits die Schiffsschraube montierten oder gar die Flügel abflexten, verlangten andere verständlicherweise, dass ihr ruhiger Flug nicht gestört werde. 

Zum Nachlesen:

Schuster, C., Weber, X. L. & Stebner, F. (2021). Pädagogische Diagnostik und selbstreguliertes Lernen - Empfehlungen für den Präsenz- und Distanzunterricht. Deutsche Schulakademie (pdf 1,2 MB)

Lesperance, K., Holzmeier, Y., Munk, S. & Holzberger, D. (2023): Selbstreguliertes Lernen fördern (pdf 6,7 MB). Münster: Waxmann

Diskussion

Passend zum im Vortrag genannten Leitsatz „Innovieren ist Kommunizieren“ mündete der Vortrag in den sich anschließenden Austausch, in dem u.a. folgende Aspekte diskutiert wurden: 

  • Der Transfer von SRL von der Grundschule in die Sekundarstufe hin zu Studierenden und Berufsschülerinnen und -schülern
    • Es darf nichts erwartet werden, was in der bisherigen Bildungsbiografie nicht trainiert wurde.
    • Bei sozialen, sprachlichen, etc. Herausforderungen, die SRL behindern, einen Schritt zurückgehen: Lernstrategietraining erst möglich, wenn grundlegendere Bedürfnisse bearbeitet wurden
  • Verankerung der SRL-Trainings an den Schulen: 
    • Aktuell recht punktuelle und individuelle Umsetzung
    • Entwicklung systematischer, digital gestützter Lehrkräfte-Fortbildungen im Rahmen der BMBF-geförderten „Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung“: In rund 2 Jahren werden erste Ergebnisse / Angebote vorliegen 
  • Schulabsentismus 
    • Jede Handlung wird durch erfüllte/ nicht-erfüllte Bedürfnisse motiviert, die zunächst bearbeitet werden müssen (siehe auch Links)
  • Wirkung als einzelne Lehrkraft: 
    • Im eigenen Mikrokosmus lässt sich auch als einzelne Person etwas bewegen 
    • Relevanz von Beziehungsarbeit
  • Prüfungsformate, die SRL aufgreifen/fördern: 
    • Es sollte so getestet werden, wie gelernt wird ⇒ Transfer ermöglichen
    • Standardisierung kann individuellem Lernen nicht gut gerecht werden
    • Formatives Assessment und Feedback als passendere Form für SRL 

Links aus dem Chat 

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