Feststellung des individuellen Lernstands von Schülerinnen und Schülern
Die Ergebnisse liefern den Lehrkräften früh in der Klassenstufe 2 fachlich differenzierte Informationen über den erreichten Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler in den untersuchten Kompetenzen. Sie bilden die Ausgangsbasis für Fördermaßnahmen. So können Lehrkräfte die Schülerinnen und Schüler gezielt im weiteren Kompetenzerwerb unterstützen.
Erfassung der Heterogenität der Lerngruppe
Die fachlich differenzierten Rückmeldungen zu den untersuchten Basiskompetenzen und die Einteilung der Schülerinnen und Schüler in Gruppen mit ähnlichem Leistungsstand, ermöglichen passgenaue Unterrichtsangebote und gruppenorientierte Fördermaßnahmen.
Schul- und Unterrichtsentwicklung
Lernstandserhebungen sind Teil des Extern: Gesamtkonzepts der datengestützten Qualitätsentwicklung an Schulen. Mit den Ergebnissen von Lernstand 2 können Diskussionen und Reflexionen über Lernprozesse, Fördermaßnahmen, Unterrichtsmethoden zwischen einzelnen Lehrkräften und innerhalb der Fachlehrerteams stattfinden.
Die feinstrukturierte Modellierung der relevanten Kompetenzen und die differenziert beschriebenen kognitiven Anforderungen der Stufen verstärken den Blick auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern. Lehrkräfte und Fachlehrerteams erweitern ihre fachdidaktischen und diagnostischen Fähigkeiten, indem sie sich mit den Beschreibungen der Stufen auseinandersetzen.
Das Verfahren Lernstand 2 unterstützt somit die Schule bei der Schul- und Unterrichtsentwicklung, indem sie Daten über den Lernstand der Schülerinnen und Schüler verwendet.
Zuletzt geändert am 12.07.2024
Lernstand 2 ist ein förderdiagnostisches Verfahren auf zwei Ebenen:
Ebene I: Lernstandsanalyse (Diagnose)
Ebene II: Förderung auf Grundlage der Lernstandsanalyse
Lernstand 2 soll die Lehrkräfte darin unterstützen den Lernstand ihrer Schülerinnen und Schüler in den untersuchten Kompetenzen zu diagnostizieren, um den entsprechenden Lernbedarf früh zu erkennen und eine Förderung einzuleiten.
Auf Ebene I wird mit einer Lernstandsanalyse der aktuelle Lernstand der Schülerinnen und Schüler in den Fächern Deutsch und Mathematik ermittelt. Dafür wurden in beiden Fächern Kompetenzbereiche, die besonders relevant für zukünftiges Lernen sind, ausgewählt. Die Auswahl der Kompetenzbereiche basiert auf den länderübergreifend verbindlichen Bildungsstandards für den Primarbereich sowie dem Bildungsplan der Grundschule in Baden-Württemberg.
Im Fach Deutsch wird der Kompetenzbereich „Lesen“ durch die beiden Testbereiche Lesegeschwindigkeit und Leseverständnis überprüft. Ausführliche Beschreibungen dieser Testbereiche, der Ergebnisinterpretation und dem Bezug zu den Förderhinweisen finden sich im Dokument Download: Lernstand 2 - Deutsch: Erläuterungen zu Testbereichen und Stufenmodell (PDF) (Öffnet in neuem Fenster).
Im Fach Mathematik werden der Kompetenzbereich „Zahlvorstellung“ mit dem Testbereich Zahlen und die Kompetenzbereiche „Operationsvorstellung“ und „Flexibles Rechnen“ mit dem Testbereich Operationen überprüft. Ausführliche Beschreibungen dieser Testbereiche, der Ergebnisinterpretation und dem Bezug zu den Förderhinweisen finden sich im Dokument Download: Lernstand 2 - Mathematik: Erläuterungen zu Testbereichen und Stufenmodell (PDF) (Öffnet in neuem Fenster).
Weitere Informationen zu Ebene I Lernstand 2 finden Sie unter Lernstandsanalyse (Ebene I).
Auf Ebene II werden im Anschluss an die Lernstandsanalyse Förderhinweise für Lehrkräfte bereitgestellt, die im Unterricht gezielt für den weiteren Aufbau von Kompetenzen genutzt werden können. Informationen zu Ebene II von Lernstand 2 finden Sie unter Diagnosegeleitete Förderung (Ebene II).
Zuletzt geändert am 18.08.2025
Konzeption der Lernstandsanalyse (Ebene I)
Die Lernstandsanalyse wird als standardisierter Test nach wissenschaftlichen Kriterien konzipiert. Als Grundlage dienen die Methoden der empirischen Sozialforschung. Die Rückmeldung der Ergebnisse aus der Lernstandsanalyse erfolgt anhand von Stufenmodellen, welche den Lernstand der Schülerinnen und Schüler in aufeinander aufbauenden Lernstandsstufen inhaltlich detailliert beschreiben.
Zur Konstruktion dieser Stufenmodelle wurde auf Basis fachdidaktisch-theoretischer Modelle zu zentralen Teilkompetenzen in den Testbereichen ein umfangreicher Pool an Testaufgaben konzipiert. Mit Hilfe einer umfassenden Untersuchung (sog. Normierung) an einer landesweit repräsentativen Schülerstichprobe wurden Rückschlüsse auf die kognitiven Anforderungen der entwickelten Aufgaben gezogen. Dies bildet die Basis für die fachliche Beschreibung der Lernstandsstufen im Austausch zwischen Teststatistikern, Fachdidaktikern und Wissenschaftlern. Die Tests bilden somit eine große Bandbreite der Kompetenzausprägung eines Testbereichs ab.
Entwicklung und Pilotierung (Ebene I)
Für die Lernstandsanalyse wurden eine Vielzahl von Testaufgaben von erfahrenen Lehrkräften in Zusammenarbeit mit Teststatistikerinnen und Teststatistikern entwickelt. Vor dem flächendeckenden Einsatz wurden die Aufgaben in einer Pilotierung erprobt. Der Zeitpunkt der Pilotierung entspricht dem vorgesehenen Zeitpunkt von Lernstand 2 im Schuljahr.
Ziel der Pilotierung ist, die neu entwickelten Aufgaben an einer repräsentativen Stichprobe von Schülerinnen und Schülern auf ihre Qualität zu untersuchen. Die Pilotierung der Aufgaben ist in mehrerlei Hinsicht von zentraler Bedeutung:
- Auswahl qualitativ hochwertiger Aufgaben auf der Basis teststatistischer Analysen
- Grundlage für die Erstellung von Lernstandsstufenmodellen
- Gewinnung von Daten und Informationen als Grundlage für die Erstellung von Ergebnisrückmeldungen
Damit nach der Durchführung von Lernstand 2 den Schulen möglichst zuverlässige Daten zurückgemeldet werden können, ist es wesentlich, dass die Pilotierungsschulen die Gesamtheit der baden-württembergischen Schulen adäquat repräsentieren. Aus diesem Grund werden die Pilotierungsschulen durch eine zufällige Stichprobenziehung ermittelt, anteilig zur jeweiligen Anzahl von Schulen in den vier Regierungspräsidiumsbezirken. Jede Aufgabe wird von mindestens 600 Schülerinnen und Schülern erprobt und somit ein angemessener Stichprobenumfang gewährleistet.
Die Analyse der Pilotierungsdaten erfolgt anhand von Modellen der probabilistischen Testtheorie. Für die anschließende Auswahl der Aufgaben werden sowohl fachdidaktische als auch teststatistische Aspekte berücksichtigt.
Verfahrensschritte an der Schule (Ebene I)
Lernstand 2 wird zur Durchführung in den zweiten Klassen der Grundschulen empfohlen. Die Deutsch- und Mathematik-Lehrkräfte entscheiden, ob ihre Klasse teilnimmt. Bei Teilnahme muss Lernstand 2 in einem festgelegten Zeitraum (zwei Wochen vor den Herbstferien) durchgeführt werden. Mit Hilfe eines Planungsrasters können die Schulen und Lehrkräfte die Durchführung zeitlich planen.
Lernstand 2 wird über das landeseigene Online-Portal Lernstandserhebungen durchgeführt. Dieses Portal ermöglicht den Schulen, ihre Klassen zu verwalten, die Test- und Begleitmaterialien herunterzuladen, die Testergebnisse der Schülerinnen und Schüler einzugeben sowie die Ergebnisrückmeldungen abzurufen. Die Schulen erhalten Anfang September ihren Zugang zu diesem Portal.
Die Lernstandserhebung wird in Form von schriftlichen Tests im Klassenverband durchgeführt. Nach dem Einsatz werden die von den Schülerinnen und Schülern bearbeiteten Aufgaben durch die jeweilige Fachlehrkraft nach landesweit einheitlichen Auswertungsmaßstäben korrigiert. Im Anschluss geben die Lehrkräfte die Testergebnisse in das geschützte Online-Portal Lernstandserhebungen ein. Die Übermittlung der Schülerergebnisse an das IBBW erfolgt anonymisiert. Der Datenschutz wird dabei gewährleistet. Nach der Dateneingabe können die Ergebnisrückmeldungen direkt im Online-Portal abgerufen und für die diagnosegeleitete Förderung (Ebene II) genutzt werden.
Zuständigkeiten im Verfahren (Ebene I)
Lernstand 2 wird am Institut für Bildungsanalysen Baden-Württemberg (IBBW) im Auftrag des Kultusministeriums entwickelt. Der Entwicklungsprozess erfolgt in Kooperation mit einer wissenschaftlichen Begleitung. Den Support für die Schulen übernimmt in allen Fragen der Durchführung das Service Center Schulverwaltung (SCS).
Zuletzt geändert am 01.05.2025
Bedeutung und Inhalte (Ebene II)
Mit dem Anspruch einer „Bildung, die allen gerecht wird“ formuliert das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport den nachfolgenden bildungspolitischen Leitgedanken für alle Schulen.
„Schülerinnen und Schüler haben unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse. Das Schulsystem in Baden-Württemberg richtet sich deshalb an der individuellen Entwicklung des Kindes aus. Die individuelle Förderung steht in allen Schularten im Zentrum schulischen Lehrens und Lernens.”
(Link zur Seite des Kultusministeriums Baden-Württemberg, Stand 10.05.2024)
Das förderdiagnostische Verfahren Lernstand 2 bietet den Schulen Hilfestellung bei der Umsetzung dieser individuellen Förderung, indem auf Ebene II Förderhinweise bereitgestellt werden, die Lehrkräfte im Unterricht gezielt für den weiteren Kompetenzerwerb nutzen können.
Die Hinweise zur Förderung knüpfen an die Lernstandsanalyse (siehe Ebene I) an, die in den Ergebnisrückmeldungen beschrieben sind.
Konzept der diagnosegeleiteten Förderung (Ebene II)
Für eine gezielte diagnosegeleitete Förderung ist eine fundierte Kenntnis der überprüften Testbereiche bei Lernstand 2 erforderlich. Daher stehen für jedes Fach konzeptionelle Erläuterungen zur Verfügung, welche die inhaltliche Klammer zwischen der Lernstandsanalyse, den Ergebnisrückmeldungen und der anschließenden Förderung bilden.
Neben den ausführlichen Beschreibungen der Testbereiche, werden auch die Stufenmodelle mit den inhaltlich aufeinander aufbauenden Anforderungen der Lernstandsstufen erläutert.
In Kombination mit den Ergebnisrückmeldungen, können Lehrkräfte Förderbedarfe für ihre Klasse ebenso wie für einzelne Schülerinnen und Schüler ableiten. Entsprechende Förderhinweise werden im Online-Portal Lernstandserhebungen angeboten. Darin enthalten sind unter anderem Verweise auf das Unterstützungskonzept Extern: Starke BASIS! (Öffnet in neuem Fenster) des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL).
Die Hinweise für die diagnosegeleitete Förderung werden in enger Abstimmung mit einer wissenschaftlichen Begleitung erstellt. In die Entwicklung fließen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirksamkeit von Fördermaßnahmen ein.
Zuletzt geändert am 12.07.2024