
Partizipation trägt wesentlich zur adressatengerechten Gestaltung von Lern- und Arbeitsumgebungen bei, indem unterschiedliche
Perspektiven und Bedürfnisse in Entscheidungsprozesse in Schule und Unterricht integriert werden. Das zeigen Befragungen
unterschiedlicher Akteursgruppen, darunter Lernende, Lehrpersonen, Auszubildende sowie betriebliches Ausbildungspersonal. Untersucht wurde
die wahrgenommene Einflussnahme auf zentrale Entscheidungsbereiche wie Inhalte, Methoden, Leistungsbewertung oder die Organisation von
Lern- und Arbeitsumgebungen.
Prof. Dr. Tobias Kärner (Universität Hohenheim) stellt hierzu ein Rahmenmodell vor, das Partizipation als zentralen Bestandteil von Lehr- und Lernprozessen begreift und unterschiedliche Formen der Einflussnahme unterscheidet, von selbstbestimmter Teilhabe über Mitsprache bis hin zu stärker fremdbestimmten Prozessen. Damit wird für Schulen sichtbar, in welchen Bereichen und in welchem Ausmaß Partizipation tatsächlich stattfindet und stattfinden kann. Grundlegend ist ein Verständnis von Partizipation als sozialer Aushandlungsprozess, der auf informierten, kooperativen und dialogischen Entscheidungspraktiken der Beteiligten beruht. Sowohl Einflussnahme als auch gemeinsame Verantwortungsübernahme sind darin eingeschlossen. Gleichzeitig ist die gelingende Gestaltung partizipativer Strukturen nicht trivial. Die Befragungen zeigen auch, dass ein Spannungsfeld zwischen Anspruch und gelebter Praxis besteht. Daraus ergeben sich Impulse für die Weiterentwicklung partizipativer Strukturen in Schule und Unterricht. Dabei stehen zentrale Fragen im Fokus: Unter welchen Bedingungen kann schulische Partizipation gelingen? Wie können Strukturen entwickelt werden, die von allen Beteiligten als wertvoll erlebt werden und Wege von Fremdbestimmung zu Mitsprache und selbstbestimmter Teilhabe eröffnen?
In seinem Praxisimpuls berichtet Jochen Wandel über zwei konkrete Formate der Partizipation, die an seiner Schule etabliert sind. An den Beispielen des sogenannten „WM-Tages“, an dem Delegierte aller Klassen mehrmals im Jahr zu aktuellen Schulentwicklungsthemen zusammentreffen und am Beispiel des Konzepts der offenen Lernangebote („LeA“) erläutert er, wie Schülerinnen und Schüler seiner Schule lernen, Partizipation und Verantwortungsübernahme als etwas zur Schulkultur Gehörendes, etwas Selbstverständliches im Schulalltag zu etablieren.
Holger Nagel berichtet in seinem Praxisimpuls von der am Hellenstein-Gymnasium Heidenheim etablierten #ZukunftsWELTstatt. Hier treffen sich regelmäßig Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam zu kreativen Workshops, um Schule und Unterricht partizipativ und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Dabei kommen etwa Elemente des Design Thinking zur Anwendung. Eingebettet ist das Konzept in einen ganzheitlichen „Whole System Approach“ im Kontext der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Zu den Personen
Dr. Tobias Kärner ist Professor für Wirtschaftspädagogik, insbesondere Lehr- und Lernprozesse, an der
Universität Hohenheim.
Kontakt: tobias.kaerner@uni-hohenheim.de; https://wipaed.uni-hohenheim.de/560a
Jochen Wandel leitet die Wilhelm-Hauff-Realschule Pfullingen und engagiert sich für die „Neue Sekundarschule“ unter der
Federführung der Robert-Bosch-Stiftung für eine starke zweite Schulart neben dem Gymnasium.
Kontakt: wandel@whr-pfullingen.de
Holger Nagel ist Schulleiter des Hellenstein-Gymnasiums in Heidenheim. Er ist Mitglied im BNE-Landesexpertenteam des ZSL und als
Fortbildner für ganzheitliche und partizipative BNE-Schulentwicklung im Rahmen des „Whole System Approach“
tätig.
Kontakt: h.nagel@hellenstein-gymnasium.de
Zum Einlesen
Kärner, T., Jüttler, M., Dietl, A., & Blondzik, V. (2025). Ein
Mehrebenenmodell schulischer Partizipation: Bedingungen und Hemmnisse aus Sicht von Lehrpersonen. Zeitschrift für ökonomische
Bildung, 14, 184–209.
Informationen zur Veranstaltung
Die Veranstaltung findet am Dienstag, 30.06.2026 von 15.00 – 17.00 Uhr online mit Webex statt.
Die Teilnahme ist kostenfrei.
Eine Anmeldung bis 28.06.2026 ist
erforderlich.
Den Teilnahmelink erhalten Sie kurz vor der Veranstaltung per Mail.
Die Veranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „IBBW - Wissenschaft im Dialog“ statt und ist eine der Aktivitäten des IBBW im Bereich Wissenschaftstransfer.
Kontakt
IBBW - Referat 43: Entwicklung von Standards, Wissenschaftstransfer
Nicole Stein
nicole.stein@ibbw.kv.bwl.de
Dr. Alexandra Dehmel
alexandra.dehmel@ibbw.kv.bwl.de