Der Beitrag „To Grade or Not To Grade? Demystifying a Centuries-Old Debate“ von Nicolas Hübner, Juliane Rutsch, Ann-Kathrin Schnelle, Mia Herkommer, Evelin Ruth-Herbein und Benjamin Fauth, erschienen in Educational Psychology Review, thematisiert die Grundsatzdebatte zu den Vor- und Nachteilen von Noten aus theoretischer und empirischer Perspektive.
Befürworter von Noten heben häufig deren Bedeutung für Auswahl- und Prognosezwecke hervor und äußern Bedenken, dass eine Abschaffung der Noten zu einem erheblichen Rückgang der Leistungsstandards führen könnte. Gegner von Noten betonen oft, dass Noten nur begrenzte Informationen liefern, um das Lernen zu verbessern, und äußern Bedenken, dass die Vergabe von Noten die Motivation und das Wohlbefinden der Lernenden negativ beeinflussen würde. Sie argumentieren, dass Noten abgeschafft werden müssen, um eine Unterrichtskultur zu fördern, die Lernprozesse in den Vordergrund stellt und unterstützt.
Der Artikel schafft eine Übersicht über die bestehenden theoretischen Argumente und bisherigen empirischen Ergebnisse zu
dieser Diskussion. Dabei ergeben sich drei Hauptstränge, in die die Forschung zu Noten als Beurteilungs- und Bewertungsform
eingebettet ist: (1) Motivationsforschung, (2) Forschung zur Leistungserfassung und Leistungsrückmeldung/Feedback sowie (3)
Messforschung.
Anschließend werden im zweiten Teil des Artikels ausgewählte Ergebnisse der Evaluationsstudie zum Schulversuch
„Lernförderliche Leistungsrückmeldungen in der Grundschule (LLr)“, die vom IBBW durchgeführt wurde,
vorgestellt. Die Studie begleitet Schülerinnen und Schüler aus 35 Grundschulen in Baden-Württemberg, bei denen im Rahmen des
Modellversuchs LLr auf die Vergabe von Ziffernnoten verzichtet wird sowie Schülerinnen und Schüler aus 40 Vergleichsschulen, die
regulär Noten erhalten. Die Evaluationsergebnisse, die in dem Artikel vorgestellt werden, beziehen sich auf die Entwicklung von
Leistung, Motivation und schulischem Wohlbefinden bis zum Ende der dritten Klasse. Es zeigen sich keine signifikanten Leistungsunterschiede
zwischen den Schülerinnen und Schülern der beiden Gruppen in Mathematik und Deutsch sowie keine Unterschiede im schulischen
Wohlbefinden. Allerdings zeigen die Schülerinnen und Schüler, die keine Ziffernnoten erhalten haben, am Ende der dritten Klasse
ein höheres Interesse an Mathematik als die Schülerinnen und Schüler aus den Vergleichsschulen.
Abschließend diskutiert der Artikel die Implikationen, die sich aus dem Literatur Review und den empirischen Ergebnissen von LLr ableiten lassen. Der Artikel ist frei unter folgendem Link abrufbar: To Grade or Not To Grade? Demystifying a Centuries-Old Debate | Educational Psychology Review | Springer Nature Link
Bei Rückfragen wenden Sie sich gerne an llr-evaluation@ibbw.kv.bwl.de