Vortrag PASST! Adaptivität durch Partizipation? Perspektiven für Unterricht und Schule (pdf)
Praxisimpuls (pdf 1,9 MB) von Jochen Wandel, Schulleiter der Wilhelm-Hauf-Realschule Pfullingen
Praxisimpuls (pdf 4,7 MB) von Holger Nagel, Schulleiter des Hellenstein-Gymnasiums Heidenheim
Kurzbericht
Den fachlichen Auftakt der Veranstaltung gestaltete Prof. Dr. Tobias Kärner (Universität Hohenheim), der zunächst den Zusammenhang zwischen Adaptivität und Partizipation erläuterte. Anschließend stellte er ein Rahmenmodell vor, in dem Partizipation als wesentliches Element schulischer Lehr-Lern-Prozesse verstanden wird. Das Modell beschreibt unterschiedliche Ausprägungen von Partizipation, die von echter Selbstbestimmung über Formen der Mitsprache bis hin zu überwiegend fremdgesteuerten Abläufen reichen. Dadurch erhalten Schulen einen konzeptionellen Orientierungsrahmen zur systematischen Reflexion partizipativer Prozesse im schulischen Alltag.
Anschließend präsentierte Prof. Kärner empirische Befunde zur Wahrnehmung von Partizipation. Die Ergebnisse zeigen, dass Schülerinnen und Schüler vor allem bei der Wahl von Methoden und Sozialformen Mitgestaltungsmöglichkeiten erleben. Bei Unterrichtsinhalten und Lernzielen fällt dieser Gestaltungsspielraum bereits geringer aus, während er bei Prüfungsformaten und Bewertungsmaßstäben am niedrigsten ist. Gleichzeitig verdeutlichen die Daten Unterschiede zwischen den Perspektiven von Lehrkräften und Lernenden: Lehrkräfte schätzen den Einfluss ihrer Schülerinnen und Schüler tendenziell höher ein, als dieser von den Lernenden wahrgenommen wird, während sie deren Gefühl von Fremdbestimmung eher unterschätzen.
Im weiteren Verlauf machte Prof. Kärner deutlich, dass Selbstbestimmung in curricularen Vorgaben als zentrales Bildungsziel verankert ist und Partizipation eine tragende Säule demokratischer Bildung darstellt. Damit verbunden ist der Anspruch, Verantwortungsübernahme, Autonomie und kritisches Urteilen bei Schülerinnen und Schülern zu fördern. Dem stehe jedoch eine schulische Praxis gegenüber, in der Partizipation häufig innerhalb enger, institutionell gesetzter Grenzen stattfinde. Mitbestimmung werde oftmals dort ermöglicht, wo sie organisatorisch wenig Aufwand verursache und kaum weitreichende Konsequenzen habe. Dieser Widerspruch zwischen bildungspolitischem Anspruch und schulischer Realität müsse in Schulentwicklungsprozessen aufgegriffen werden, um Schülerinnen und Schülern echte Gelegenheiten zur Mitgestaltung und Verantwortungsübernahme zu eröffnen.
In einem ersten Bericht aus der Praxis berichtete Jochen Wandel, Schulleiter der Wilhelm-Hauff-Realschule Pfullingen, wie Partizipation an seiner Schule konkret umgesetzt wird. Vorgestellt wurden unter anderem das freie LernAngebot LeA sowie der WM-Tag (Weiterdenken und Mitgestalten). Beide Konzepte verfolgen das Ziel, Schülerinnen und Schülern Mitwirkung und Mitverantwortung zu ermöglichen und Schule als einen Ort aktiver Beteiligung zu gestalten.
Ein weiteres Praxisbeispiel präsentierte Holger Nagel, Schulleiter des Hellenstein-Gymnasiums Heidenheim. Als Mitglied des BNE-Landesexpertenteams des ZSL sowie Fortbildner für ganzheitliche und partizipative Schulentwicklung im Sinne des Whole System Approach zeigte er auf, wie Internationalität und Weltoffenheit als leitende Prinzipien in allen Bereichen des Schullebens verankert werden. Dabei wurde deutlich, dass Partizipation als grundlegendes Prinzip schulischer Entwicklung verstanden und in vielfältigen Bereichen des Schulalltags umgesetzt wird.
Themen im gemeinsamen Austausch
- Mentale Gesundheit und Wohlbefinden von Schülerinnen und Schülern sowie Lehrkräften im Zusammenhang mit Partizipation
- Fortbildungsangebote zur Umsetzung partizipativer Prozesse im Unterricht und in der Schulentwicklung
- Bedeutung von Vernetzung und schulübergreifendem Austausch
- Haltung der Beteiligten als Voraussetzung für gelingende Partizipation
- Partizipation als Bestandteil adaptiver Schulentwicklung und demokratischer Bildung
In der abschließenden Diskussion, bereichert durch den Beitrag von Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz, standen insbesondere die Zusammenhänge zwischen Partizipation, Wohlbefinden und mentaler Gesundheit im Mittelpunkt. Darüber hinaus wurde über Unterstützungs- und Fortbildungsangebote zur Umsetzung partizipativer Prozesse diskutiert. Konsens bestand darin, dass Vernetzung, gemeinsames Ausprobieren sowie eine partizipationsförderliche Haltung einen größeren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung partizipativer Schul- und Unterrichtspraxis leisten können als standardisierte Fortbildungsangebote allein.
Links aus dem Chat:
Fortbildungen:
LFB-Online Gemeinsam Zukunft gestalten: Nachhaltigkeitsorientierte
Schulentwicklung „Whole School Approach (WSA)“
LFB-Online Projektorientiertes Lernen in Freiraumformaten – Frei
Day/ZukunftsDay
Youtube Video zum Vortrag von Prof. Kärner:
https://www.youtube.com/watch?v=phFQvkxJQks
https://www.youtube.com/@partizipationgestalten