PASST! Adaptiver Unterricht im Fokus: Was kann Schule - mit Blick auf adaptive Unterrichtsgestaltung?

Prof. Dr. Meike Munser-Kiefer und Christian Hendriok

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Vortrag PASST! Adaptiver Unterricht im Fokus: Was kann Schule (pdf 3,8 MB) - mit Blick auf adaptive Unterrichtsgestaltung?

Kurzbericht

Die 48. Veranstaltung der Reihe “IBBW-Wissenschaft im Dialog” gestalteten die Referierenden aus Wissenschaft und Praxis als Dialog: Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur adaptiven Unterrichtsorganisation von Prof. Dr. Munser-Kiefer wurden mit Umsetzungen und Erfahrungen aus der Praxis von Christian Hendriok untermauert, um Einblicke in eine Good-Practice von heute zu bekommen.

Verknüpft mit dem Video der Hermann-Brommer Schule Merdingen für ihre Bewerbung für den Deutschen Schulpreis stellte Prof. Dr. Munser-Kiefer die Stellschrauben einer ganzheitlichen Schulentwicklung mit dem Ziel der adaptiven Unterrichtsgestaltung vor:

  • Kultur mit Kooperation und Partizipation der Lernenden
  • Struktur
  • Handeln
  • Mindset

Wissenschaft: In ihrem ersten wissenschaftlichen Input stellte Prof. Dr. Munser-Kiefer die Stellschraube „Kultur“ vor. Die Kooperation sei eine zentrale Gelingensbedingung für die Entwicklung von Schule, Unterricht und pädagogischer Professionalität, sowie für die adaptive Förderung aller Lernenden. Die Etablierung sei aber eher die Ausnahme als die Regel und müsse strukturell unterstützt werden. Multiprofessionelle Kooperation führe zu einer Ko-Konstruktion von Unterricht durch sich überschneidende Aufgaben, die aber klare Zuständigkeiten und Absprachen bräuchten. Respekt untereinander, eine affektive Beziehungsebene, gemeinsame Werte, Normen und Ziele seien die Grundlagen, um in der Ko-Konstruktion zu einer kollektiven Erfahrung von Selbstwirksamkeit zu kommen. 
Praxis: Hier stellte Christian Hendriok das Kooperations-Konzept aus der Praxis der Hermann-Brommer Schule vor, das sich an festen Team-Strukturen auf mehreren Ebenen (Gesamtteam, Klassenteam, Fachteam) und einem vertrauensvollen und fehlertolerierenden Miteinander orientiere. Etwa mit regelmäßigen Kooperationsnachmittagen, offenen Türen, kollegialen Unterrichtshospitationen, dem Einbezug von Best-Practice-Beispielen werde die konzeptionelle Arbeit an der Schule gemeinsam vorangebracht. Durch die Vernetzung und Arbeitsteilung in der Schulentwicklung habe sich eine gemeinsame Sprache und Haltung entwickelt. 

Wissenschaft: Danach präsentierte Prof. Dr. Munser-Kiefer den Aspekt der Partizipation in der Schulkultur. Partizipation sei eine zentrale Dimension pädagogischer Qualität und Bildungsauftrag einer demokratischen Pädagogik. Partizipation sei damit in allen Prozessen vertreten, äußere sich jedoch in unterschiedlichen Stufen der Mitbestimmung. Aus Untersuchungen gehe allerdings hervor, dass Mitbestimmung von Lernenden an Schulen gering und nur punktuell ausgeprägt bleibe, wobei sich Kinder und auch Lehrkräfte mehr Mitbestimmung wünschten. Jedoch müssten Methoden strukturell eingeführt und geübt werden, hätten dann jedoch das Potenzial für mehr Adaptivität und Wohlbefinden. 
Praxis: Hierzu berichtete Christian Hendriok, wie das Lernen mit Lernplänen, Kindersprechstunde, „Regel der Woche“ und dem partizipativen freien Projekt-Lernen „Schlaumacherzeit“ den Schulalltag an seiner Schule positiv prägten und Selbstregulation förderten. 

Wissenschaft: Ein spannender Baustein der Schulstruktur des Schulkonzepts der Hermann-Brommer Schule liegt im Konzept der Jahrgangsmischung. Prof. Dr. Munser-Kiefer konnte wissenschaftlich belegen, dass es gerade wegen der großen Heterogenität zu mehr Differenzierung und Individualisierung für alle Kinder komme, besonders bei dem Thema Inklusion. Mehr offene Unterrichtsformen und Differenzierungsmaßnahmen führten zu mehr Lernerautonomie und Adaptivität. Zudem habe die Jahrgangsmischung das Potenzial zu systematischer Unterstützung, Förderung und Beratung, und führe damit zu einer subjektiv empfundenen geringeren Arbeitsbelastung der Lehrkräfte. Lernende nehmen durch die Jahrgangsmischung eine höhere Unterrichtsqualität wahr aufgrund der Unterstützung durch Peers und der individuellen Bezugsnorm. 
Praxis: Christian Hendriok zeigte, welche positive Folgen die Jahrgangsmischung an seiner Schule hat: Aufgrund der regelmäßigen individuellen Lernentwicklungs-Gespräche werde mit den Kindern auf den Lernprozess und Kompetenzentwicklung jedes einzelnen geschaut. Kinder hätten die Möglichkeit im kooperativen Lernen zusammenzuarbeiten, einander zu unterstützen und aufeinander Einfluss zu nehmen. Durch die Jahrgangsmischung sei eine innovative Unterrichtsgestaltung notwendig, die den Lernenden die Strukturen gibt, ihre Lernpläne passend zu ihrem Lernprozess aktiv mitzugestalten. 

Wissenschaft: Prof. Dr. Munser-Kiefer stellte im Folgenden zur Stellschraube Handeln, das KI-gesteuerte Tooltalidu” vor, das Lehrkräfte bei ihren professionellen Kompetenzen und Lernende in ihrem Kompetenzerwerb durch Feedback und passenden Lernhilfen spielerisch adaptiv unterstützen könne und die Selbstregulation fördere. Einführende Informationen dazu auch hier
Praxis: Christian Hendriok stellt zur Stellschraube Handeln das Feedback der Lernförderlichen Leistungsrückmeldungen seiner Schule vor. Er konnte zeigen, dass das kindgerechte Hand-in-Hand-Gehen von Diagnose und adaptiver Förderung zum selbstregulierten Lernen beitragen.

Wissenschaft: Ein letzter Impuls zum Thema Mindset warf einen Blick auf den Entwicklungsprozess der Schulkultur. Unterschiedliche Lehrkräfte-Typen spielten im Schulentwicklungsprozess unterschiedliche Rollen und übernähmen unterschiedliche Aufgaben. Dazu würden sie aber auch durch ihre individuellen Ausgangspositionen unterschiedliche Professionalisierungsmaßnahmen benötigen.
Praxis: Im Konzept der Heinrich-Brommer-Schule werde die Heterogenität der Lehrkräfte als Stärke wahrgenommen und bei der Schulentwicklung bewusst und produktiv berücksichtigt. Es wurde deutlich, dass sowohl der Heterogenität der Lernenden als auch der Lehrenden Rechnung getragen wird.

Abschließende Diskussion Fragen thematisierten

  • die Vereinbarkeit des Ganztagsschulen Konzept mit regelmäßigen Kooperations-Nachmittagen.
  • Fragen zu“ talidu“
  • Schulentwicklung mit Lehrkräften in Teilzeit. 
  • die besondere Form des Unterrichts an der Hermann-Brommer Schule und wie diese von skeptischen Lehrkräften in der Vergangenheit aufgenommen wurde.
  • das Hinzuziehen von Unterstützung für größere Klassen, wie Sonderpädagogen, FSJlern, Studierenden oder Alltagsbetreuenden, sodass man nicht alleine vor der Klasse steht. 
  • wie Kollegen motiviert werden können, Schulentwicklung anzugehen.