Im Mittelpunkt des Projektvorhabens steht die gezielte Begleitung und Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit
unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen sollen im Rahmen der Schul- und
Unterrichtsentwicklung systematisch in einem schulischen Gesamtkonzept verzahnt werden. Die Berücksichtigung der
Qualitätsdimensionen ermöglicht es Schulen, Inklusion systematisch zu verankern und ein Lernumfeld zu schaffen, in dem alle
Schülerinnen und Schüler gleichermaßen gefördert, beteiligt und wertgeschätzt werden.
Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts begann mit einer Studie der PH Heidelberg, die an den sechs Pilotschulen durchgeführt
wurde. Dabei standen die Einstellungen der Lehrkräfte zur Inklusion, ihr Professionswissen im Umgang mit Heterogenität sowie die
erlebte soziale Inklusion der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt.
Darüber hinaus wurde das IBBW mit der weiterführenden wissenschaftlichen Begleitung des Projekts beauftragt. Der Fokus liegt
darauf, eine Schulentwicklungsperspektive einzunehmen und die verschiedenen schulischen Akteurinnen und Akteure innerhalb der Schule
einzubeziehen. Vor diesem Hintergrund lassen sich für die Evaluation drei zentrale Fragestellungen ableiten:
- Welche Gelingensbedingungen und Hürden bestehen bei der Umsetzung inklusiver Schulentwicklungsprozesse?
- Wie nehmen schulische Akteurinnen und Akteure die inner- und außerschulischen Unterstützungsstrukturen wahr?
- Wie sind verschiedene inklusive schulische Merkmale, wie beispielsweise eine inklusive Schulkultur oder entsprechende Kollaborations-
und Kooperationsstrukturen, in den Projektschulen ausgeprägt?
Methodisches Vorgehen & Siegelvergabeverfahren
Zur Beantwortung der Fragestellungen ist ein Mixed-Methods-Design vorgesehen, das quantitative Online-Befragungen mit qualitativen
Interviews kombiniert. Dabei werden die Perspektiven verschiedener schulischer Akteurinnen und Akteure – etwa der Schulleitung, der
Lehrkräfte und des Sonderpädagogischen Dienstes – berücksichtigt. Zudem ist es notwendig, die aktuelle Phase der
Schule bei der Initiierung und Umsetzung inklusiver Schulentwicklungsprozesse zu beachten (Berücksichtigung der verschiedenen
Tranchen). Erste Datenerhebungen sind für das Schuljahr 2025/2026 geplant.
Neben der Evaluation des Projekts wird aktuell ein Siegelvergabeverfahren konzipiert, das Entwicklungen in den Bereichen Inklusion und
Individuelle Förderung an den teilnehmenden Schulen sichtbar macht und anerkennt. Mit dem geplanten Verfahren soll ein landesweites
Netzwerk inklusiver beruflicher Schulen entstehen, um das Thema nachhaltig in der Bildungslandschaft Baden-Württembergs zu verankern.
Orientierung für die zukünftige Siegelvergabe bilden dabei die fünf Qualitätsdimensionen (Abbildung 1).
Wissenschaftstransfer
Auf Basis des angestrebten Mixed-Methods-Designs und der vorgesehenen multiperspektivischen Herangehensweise sollen im Rahmen der
Projektevaluation Erkenntnisse gewonnen werden, die dazu beitragen, Gelingensbedingungen zu stärken, Hürden abzubauen und
Unterstützungsstrukturen zu optimieren. Gleichzeitig sollen diese Erkenntnisse auch für zukünftige Projekte und
Innovationsvorhaben nutzbar gemacht werden.
Darüber hinaus ist geplant, die Ergebnisse sowohl in wissenschaftlichen als auch in praxisorientierten Publikationen zu
veröffentlichen und sie auf entsprechenden Fachtagungen vorzustellen, um sie der wissenschaftlichen und pädagogischen Community
zugänglich zu machen und den Transfer in die schulische Praxis direkt zu unterstützen.
Projektbeteiligte
Das Projekt wird federführend vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg gesteuert und startete im
Schuljahr 2023/24 an den ersten sechs Pilotschulen mit der Entwicklung eines pädagogischen Konzepts. Nach dem Beitritt von 11 weiteren
Schulen im darauffolgenden Schuljahr schließen sich im Schuljahr 2025/26 nochmals 12 neue Schulen an – damit umfasst das Projekt
inzwischen 29 berufliche Schulen.
Im ersten Projektjahr werden die schulischen inklusivBS-Teams, bestehend aus drei bis fünf Personen, in mehreren Workshops
begleitet. Diese Workshops werden in erster Linie vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) organisiert und
unterstützen die Schulen bei der Erstellung eines pädagogischen Konzepts zu Inklusion und Individueller Förderung. In den
Folgejahren liegt der Schwerpunkt darauf, das Konzept in der Praxis umzusetzen. Auch in dieser Phase stehen den Schulen unterschiedliche
Unterstützungsangebote zur Verfügung. Ziel ist es, dass die entwickelten Konzepte vollständig und nachhaltig in den
Schulalltag integriert und umgesetzt werden.